Mittwoch, 12. September 2012

Seitan, die Ratten!

Am vergangenen Wochenende hatten wir Besuch von meinen Eltern. Mein Bruder und seine Freundin stießen Samstag Nachmittag dazu.

Freitag Abend wollten wir mit beiden Familien essen gehen. Ich fragte meine Mutter die Tage davor am Telefon, ob wir griechisch essen gehen sollen oder etwas Neues ausprobieren wollen: vegan. Sie sagte, „lieber griechisch, vegan schmeckt bestimmt nicht“. Ich habe nichts weiter dazu gesagt, nur dass das für mich in Ordnung sei.

Am nächsten Tag bekam ich eine Sms: „Papa möchte lieber den Veganer ausprobieren, nicht zum Griechen.“ Ich schrieb zurück, dass sie das auf keinen Fall nur für mich tun müssten, da ich sicherlich auch beim Griechen fündig werden würde. Aber mein Vater wollte es unbedingt wissen. Auch Daniels Familie willigte mutig ein, mit zum Loving Hut zu kommen. Ich freute mich natürlich sehr darauf, mit sechs Omnivoren in ein veganes Restaurant einzufallen :-D



Alle waren sehr neugierig auf das Essen und dann einige mehr, einige weniger begeistert. Es ist halt wie im „richtigen“ Restaurant, es gibt Dinge, die schmecken einem gut, andere weniger. Immer bissl Glückssache. Trotzdem hat keiner gemeckert und alle haben brav aufgegessen. Und wie gesagt, einige waren richtig angetan vom Essen. Ein Negativpunkt war, dass einige schon fertig mit dem Essen waren, als die anderen es erst bekamen -aber das Loving Hut ist nun mal eigentlich ein „Imbiss“, und da stößt die kleine Küche irgendwann sicherlich an ihre Grenzen. Mich persönlich hat es nicht gestört. Der nette Service und das leckere Essen machten es locker wieder wett.

Mein Vater gehörte zur Hälfte, der das Essen sehr gut schmeckte, und er war sehr wissbegierig und fragte mich, wer was auf dem Teller hat. Leider bin ich kein Profi und kann teilweise Seitan, Tofu und Sojaprotein nicht unterscheiden -schon gar nicht, wenn Soße dran hängt. Bei dem Wort „Seitan“ wurde er hellhörig. Sein Lieblingsfluch ist nämlich „Satan, die Ratten!“ (was das genau bedeutet / aussagen soll, weiß ich bis heute nicht, aber es ist halt ein Fluch [wie andere „sch***“ rufen]). Da sagte er: „Seitan, die Ratten!“. Ich musste lachen, weil ich mir schon gedacht hatte, dass er den Fluch abwandelt, wenn er das erste Mal „Seitan“ hört ;-D Er lachte auch, als ich ihm das erzählte.

Samstag, nachdem wir meinen Bruder und seine Freundin eingesammelt hatten, kochte ich mit Unterstützung von Daniel das Chili con Tofu aus Vegan lecker lecker! mit Kartoffeln. Ich habe alle Chili-Zutaten in der Pfanne untergebracht, aber mehr hätte nicht reingepasst. Ich sage euch… ich hätte nicht gedacht, dass es so viel anstrengender ist, für sechs Leute anstatt für zwei zu kochen (zumal ich ja zu 99% nur für mich alleine koche)! Ohne Daniels Hilfe hätte ich es nicht ohne Unfälle hinbekommen. Leider dachte ich beim Zubereiten nicht daran, dass mein Bruder keinen Mais mag. Aber er hat ihn trotzdem tapfer mitgegessen. Alle wurden (gerade so) satt, ich denke, es hat allen ganz gut geschmeckt. Hoffe ich.

Sonntag hatte meine Mutter Geburtstag, und ich backte für sie meinen allerersten Kuchen mit meiner allerersten Kuvertüre (die wurde aufgrund der Hitze nicht hart, aber der Kühlschrank konnte helfen). Es war der Kokoskuchen aus Vegan lecker lecker. Ich hatte sogar extra neue Kuchenformen bestellt. Die Teigzubereitung ging sehr fix, und ich fand den Kuchen lecker. Die Schokoladenkuvertüre passte sehr gut dazu.

Auch, wenn ich glaube, dass meine Eltern noch nicht genau wissen, was „vegan“ bedeutet, habe ich mich wie eine Pastinake gefreut, als mein Vater mir in einer ruhigen Minute sagte, dass er gut findet, was ich mache.


P.S.: Denkt dran, morgen um 14:55 Uhr wird die Sendung über das Bienensterben auf ARTE wiederholt. Sehr interessant für alle, die sich Gedanken um die Zukunft unseres Planeten machen.

Kommentare:

  1. Toll das Deine Familie so interessiert regaiert, schön :-)
    Sowas tut einem gut, grad am "Anfang" ^^
    LG, MamaMia

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    1. Ja, das stimmt. Auch wenn das Interesse schnell an seine Grenzen stößt. Ich denke, meine Familienmitglieder wollen teils gar nicht wissen, was alles hinter der Frikadelle auf dem Teller steckt. Wurde mir sogar so schon gesagt. Da ist man dann machtlos. Aber ich gehe meinen Weg und lasse mich nicht davon abhalten.

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  2. Hi, ich habe bitte einmal eine Frage. Ich bin auf der suche nach dem Ursprung des o.g. fluches. Kann es sein, dass dein Vater oder seine Eltern aus Ostpreußen kommen? Alternativ sehe ich noch Hamburg. Vielen dank für deine Hilfe. Carsten

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    1. Hallo Carsten,
      du suchst nur nach diesem Ursprung oder interessierst du dich allgemein für Flüche? :-D Du bist jedenfalls der Erste, den ich treffe, der ihn kennt. Lustig, ich dachte schon, mein Vater hätte den irgendwann erfunden.
      Mein Vater ist in Flensburg aufgewachsen. Kann aber sein, dass seine Familie aus Preußen oder Schlesien stammt. In der Familie sind so gut wie alle Männer zur See gefahren. Vielleicht ist es ein Seemannsfluch? ;-) Ratten waren an Bord sicherlich nicht gern gesehen.

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