Dienstag, 28. August 2012

Spinnenphobie


Ich habe Angst vor Spinnen. Seit ich denken kann. Ich habe gelesen, dass ein Kind nur dann eine Phobie entwickelt, wenn eines der Elternteile sie auf das Kind überträgt. Ausnahmen bestätigen anscheinend auch hier die Regel, denn meine Eltern sind beide völlig unerschrocken im Umgang mit den achtbeinigen Monstern. Meine erste Erinnerung an die unerwünschte Begegnung mit einer (sehr großen!) Spinne sieht so aus:

Ich war in der ersten Klasse. Meine Mutter zog mir morgens ein hübsches Jersey-Kleid mit rosa Blockstreifen, was ich von meiner Cousine Julia „geerbt“ hatte, über den Kopf. Dabei fiel eine dicke, schwarze Kellerspinne heraus und lief weg. Ich habe mich wahnsinnig geekelt und schrie.

Ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit kam auf, da ich dachte, ich müsste von nun an immer mit solchen Attacken rechnen, wenn ich etwas aus dem Kleiderschrank zog. Noch heute schüttele ich oft Klamotten oder Handtücher aus, wenn ich sie aus dem Schrank nehme.

Meine Mutter hat eine andere Erinnerung an die Situation: Sie sagt, sie hatte mir verboten, unter den Tisch mit den Schaffellen zu krabbeln (wir hatten damals einen Wollladen im Haus), ich habe es trotzdem getan und die Spinne so „eingesammelt“. Ich kann mir das ehrlich gesagt nur schwer vorstellen. Aber ich weiß es natürlich nicht mehr genau. Trotzdem ist diese Spinnensituation die erste Erinnerung. Meine Phobie war geboren.

Unbewusst scanne ich jeden Raum ab, in den ich gehe. Wenn ich eine Spinne entdecke, behalte ich sie im Auge oder bitte nach Möglichkeit gleich jemanden, sie rauszubringen. Wenn mein Blick ungeplant und nah mit einer großen Spinne kollidiert, kriege ich im wahrsten Sinne des Wortes ausgeprägte Schnappatmung und einen unkontrollierbaren Fluchtreflex.

Ich habe absolut kein Problem damit, sämtliche Lebewesen anzufassen, die viele abstoßend finden: Regenwürmer, Ohrenkneifer, Käfer, Kellerasseln, Schnaken, Schlangen, Ratten (letztere am wenigsten *lach*; wer mich kennt, weiß, dass ich jahrelang Farbratten hatte), etc. -nur mit Spinnen komme ich nicht klar.

Es ist nicht immer ganz einfach, mit so einer Phobie zu leben. Besonders, wenn man alleine lebt. Ich hatte z.B. in den drei Jahren Osterrönfeld (bei Rendsburg) Begegnungen mit Spinnen, die jeden Urwald-Insektenforscher in pure Verzückung versetzt hätten. Mein Onkel kann bis heute nicht nachvollziehen, dass ich unter gar keinen Umständen die Winterreifen aus der Garage holen wollte.

Nun ist die Phobie ja nicht einfach weg, weil ich von nun an vegan lebe. Veganer sollen ja keiner Fliege etwas antun. Finde ich prinzipiell auch richtig. Meine Einstellung bleibt in der Hinsicht mit der Einstellung aus meiner „un-veganen“ Zeit identisch: Nur eine nicht vorhandene Spinne ist eine gute Spinne!

So eine Spinne kann nichts dafür, dass sie als Spinne geboren wurde, das weiß ich. Deshalb möchte ich auch nicht, dass sie getötet wird. Davon abgesehen will ich auch keine Spinnenleiche in meiner Wohnung haben oder einen Fleck an der Wand. Aber wenn ich „angegriffen“ werde und keinen anderen Ausweg sehe, töte ich sie. Zum Glück musste ich das nur selten tun. Zumal ich ja nun auch mit Daniel zusammenlebe, der mich im „Ernstfall“ retten kann. Im Gegenzug rette ich ihn vor Wespen, Bienen und Hummeln, die sich zu uns verirren (auch die werden von mir natürlich lebend in die Freiheit gesetzt).
Ich kann in einem Raum, wo eine große Spinne umhergeistert, nicht schlafen. Erst recht nicht mehr, nachdem ich im Teenie-Alter irgendwo gelesen hatte, dass der Mensch 12 Spinnen pro Jahr nachts unbemerkt „isst“ (wer hat das erforscht?!?). Igitt. Ich habe wochenlang nur bis auf ein freies Atemloch komplett in die Decke eingerollt geschlafen.

Viele sagen mir: Die Spinnen haben viel mehr Angst vor dir als du vor ihnen. Ähhm… nein. Ausgeschlossen ;-)

Es gibt übrigens Tiere, die ich auch weiterhin um die Ecke bringe, wenn ich sie erwische: Kleidermotten. Dazu stehe ich auch. Da meine Mutter den Wollladen hatte, wurden mein Bruder und ich schon früh darauf getrimmt, die kleinen, hungrigen Biester zu erkennen und schnell zu töten. Was viele nicht wissen: Kleidermotten mögen auch gerne Sachen aus Baumwolle (selbst meine Mutter wollte das lange nicht glauben). Beweise dafür gibt es zuhauf in meinem Schrank. Und im Internet natürlich.
Als Daniel und ich in der List lebten, hatten wir eine regelrechte Mottenplage. Auch beim Auszug haben wir kein Nest gefunden. Ein paar haben wir unfreiwillig mit aufs Dorf genommen beim Umzug, aber es sind zum Glück nur noch selten welche anzutreffen. Jedoch lassen sie sich trotz Lavendelkissen in den Schränken nicht ganz vertreiben. Wenn jemand meine Klamotten anfrisst, verstehe ich keinen Spaß.

Ich kann nicht einmal sagen, warum genau ich Spinnen so abgrundtief unattraktiv finde. Wirklich nicht. Ja, es ist unheimlich, dass sie so schnell sind. Aber das sind andere Insekten auch.

In Venezuela waren mein Bruder, meine Mutter und ich mal in einem riesigen Pflanzen-Park, der auch verletzte und kranke Wildtiere aufpäppelte. Es gab dort auch eine zahme Tarantel. Mein Bruder nahm sie auf die Hand und sagte, sie sei ganz leicht. Ich wunderte mich selbst darüber, dass ich sie nicht so gruselig fand, wie ich es erwartet hatte. Sie war stark behaart und sah schon nicht mehr richtig nach „Spinne“ aus. Eher wie ein anderes Tier. Deshalb konnte ich relativ nah ran gehen und sie ansehen. (Anfassen wollte ich sie trotzdem nicht.) Sie bewegte sich zuerst gar nicht und dann sehr langsam. Das fand ich beruhigend. Obwohl uns gesagt wurde, dass sie durchaus sehr schnell sein kann, wenn sie möchte.

Letztens haben eine Spinne und ich einen Angriff überlebt. Ich öffnete morgens noch etwas verschlafen die Haustür, um ins Büro zu fahren, als die riesige, dunkelbraune Spinne mich fast umrannte. Meine Freundin Wiebs hätte gesagt: „Man hörte ihre Beine auf dem Boden klackern, so groß war sie.“ Ich erschrak gar heftiglich und war plötzlich sehr wach. Wir überlegten beide -die Spinne und ich. Sie saß drinnen auf unserer Fußmatte, ich stand schon draußen. Mein Herz raste. Was tun??? Es gab zwei Möglichkeiten: Nr. 1: Tür zuziehen und losfahren. Was aber das Risiko mit sich bringt, dass das possierliche Tierchen in meine Schuhe krabbelt, die im Eingangsbereich stehen. Nr. 2: Mich an ihr vorbeiquetschen in die Wohnung, einen Schuh schnappen und sie damit erschlagen. Finde ich wie gesagt auch absolut eklig. Ich entschied mich todesmutig für Möglichkeit Nr. 3: Ich zog die Fußmatte samt Spinne nach draußen, schüttelte sie dort blitzschnell ab und zog die Eingangstür schnell zu. Immer noch atmete ich heftig. Nun saß die Spinne grinsend direkt vor unserer geschlossenen Tür und ich hatte die Fußmatte in der Hand. Doof. Obwohl ich Angst hatte, dass die Spinne wieder unser Haus oder mich attackiert, wenn ich die Tür öffne, schloss ich schnell auf (ließ dabei das Monstrum natürlich nicht aus den Augen) und warf die Matte rein. Tür wieder zu. Spinne noch draußen. Lebend. Sie und ich. Ich war stolz! Hoffentlich hat sie sich eine neue Bleibe gesucht, die ein paar Meter weiter liegt...

Habt ihr (oder eure Mitmenschen) Phobien und wie lebt ihr damit? Möchtet ihr sie loswerden oder euch lieber damit arrangieren?

Kommentare:

  1. Wenn ich das so lese, fange ich glatt an, mich mitzugruseln. Obwohl ich gar keine große Angst vor Spinnen habe (anfassen mag ich sie allerdings auch nicht).

    Das Phänomen mit den richtig großen Spinnen kenne ich aber. Eine Vogelspinne auf die Hand zu nehmen, fand ich gar nicht schlimm (war mal in einer Spinnenausstellung, da ging das), die Langbeiner hier zu Hause bekuscheln... brrrr.
    Die Pelzviecher sehen doch irgendwie viel weniger spinnenhaft aus, eher flauschig halt.

    Da wäre unser letzter Zelturlaub aber was für Dich gewesen, wir haben nämlich im Wald gezeltet, und unter fünf, sechs Spinnen pro Nacht (im Zelt) ging da nix. ;)

    Liebste Grüße, Steffi

    (Hab' Dein Blog mal auf Twitter empfohlen, da folg' ich auch dem ein oder anderen Veganer, vllt. könnt ihr euch mal austauschen. :) )

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  2. Steffiiiii! Mein erster Kommentar!! JUHUUU! Ich bin freu mich sooo! DANKE! *hüpfhüpfhüpf*

    Und danke fürs Weiterempfehlen! :-*

    In was für einem Wald seid ihr denn gewesen?!? In dem von Harry Potter?? *grusel* Nee, das wäre für mich echt ein Grund für eine schnelle Umsiedelung in ein Hotel o.ä. gewesen ;-)

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